strange days, indeed

Tanztheater von Ives Thuwis

Eine Tanztheaterproduktion des jungen theaters basel in Koproduktion mit Theaterhaus Gessnerallee Zürich, Blickfelder

strange days, indeed
Choreographie:
Kostüme:
Dramaturgie:
Regieassistenz:
Kostümassistenz:
Licht:
SchauspielerInnen:

Premiere:

22. November. 2008

Vorstellungen im jungen theater basel:
17

Gastspiele:

Schwyz

strange {adj}: fremd, skurril, verquer, seltsam, unüblich, verdreht, mysteriös, unbekannt, sonderbar, ungewohnt, befremdend, fremdartig, auffallend, eigenartig, merkwürdig, sonderlich, wunderlich, befremdlich, verschroben, absonderlich, eigentümlich, nicht normal, verwunderlich, nicht geläufig, außergewöhnlich, außerordentlich, komisch [ugs.], ulkig [ugs.], verkorkst [ugs.]

[i]” … es gibt tage, die gehen zu ende, ohne dass ich überhaupt bemerkt habe, dass sie begonnen hatten. es gibt aber auch tage, da springt mir die ganze welt ins gesicht. nichts ist einfach so da. alles ist besonders, ganz aussergewöhnlich und bemerkenswert. an solchen tagen frage ich mich, wie ich es in dieser welt überhaupt aushalte. die nachrichten bringen mich zum lachen und weinen zugleich. meine freunde sind zum davonlaufen. und ich selber!? ich selber, bin das unbegreiflichste wesen, das ich überhaupt kenne. aber was heisst an einem solchen tag schon kennen? – wie es die anderen mit mir aushalten, frage ich mich dann besser gar nicht. … “[/i]

Wir leben in einer Zeit der Verpflichtung zur Aussergewöhnlichkeit. In der Politik ringt man ebenso um Aufmerksamkeit, wie es tagtäglich die meisten von uns auch tun. Wer nicht speziell ist, wird nicht beachtet. Auch die Nachrichten kommen immer schreiender daher. Gewollt Absurdes mischt sich mit dem alltäglichen Grauen … und kaum jemand, kann sich dem entziehen … weder im Grossen, noch im Kleinen.

Das Ringen um Aufmerksamkeit und die dabei schnell erreichten Grenzen der Gemeinsamkeit hat der belgische Choreograph Ives Thuwis mit sechs Jugendlichen untersucht und zu einem Tanztheaterabend verdichtet.

[quote=Edward Young]Wie kommt es, dass wir als Original geboren werden, Aber als Kopie sterben?[/quote]

—-

Nonverbale Ausdrucksmittel sind für jeden Menschen – unabhängig von Bildungsstand und Sprachbeherrschung – lesbar. Von dieser Überzeung ausgehend, wird darauf verzichtet, bekannte Bewegungsmuster aus Musikclips zu reproduzieren. Getreu dem Motto der Begründerin des Tanztheaters Pina Bausch: “Mich interessiert nicht, wie sich Menschen bewegen, sondern was sie bewegt.” wurde nach Situationen und starken Gefühlen gesucht, die ganz originäre Bewegungen hervorrufen. Da diese nicht illustriert werden, wird jede BesucherIn ganz eigene Assoziationen entwickeln. Wo kaum gesprochen wird, hat zunächst niemand Recht und nichts ist Falsch. Die Deutungshoheit liegt bei denen, die genau hinschauen.

—-

==IVES THUWIS==
Studierte an der Tanzakademie von Tilburg und war danach einige Jahre aktiv als Tänzer bei verschiedenen Kompanieen. In 1991 tanzte er in “Laura’s Landschaft” von Eva Bal und Alain Platel beim damaligen Speelteater Gent (jetzt Kopergietery). Nach seiner ersten eigenen Choreografie “Royaal Lyrisch” (1992) legte er sich mehr und mehr zu auf die Erarbeitung von Tanztheaterproduktionen für Jugendliche als für Erwachsene. Bisher kreierte er an die 35 Produktionen. In den letzten 10 Jahren erarbeitete er mehr und mehr Produktionen mit Jugendlichen. Dazu gehören u.a. “Mannen” (Kopergietery), “àdieu” (FFT-Düsseldorf) und “Brief” (eine Zusammenarbeit von JES-Stuttgart, Dschungel Wien, Theaterhaus Gessnerallee Zürich und Kopergietery Gent).

[youtube]VBXkao-iej4[/youtube]
—-
==Presse==
[quote=Kulturpreis Basel 2008 – (Auszug aus der) Laudatio für Uwe Heinrich, Leiter des jungen theater basel, Alfred Schlienger, Basel, 24. November 2008]„Strange days, indeed“, ein Tanztheater, wie ich es seit Pina Bausch und Alain Platel, meinen Heroen dieser Sparte, nicht mehr gesehen habe. Ich werde Ihnen nichts über diese Produktion erzählen, man muss sie sich einfach selber anschauen. Vielleicht nur so viel: Da wirbeln sechs junge Leute über die Bühne, dass einem dauernd heiss und kalt wird. Das sind wunderbar rohe, ungeschliffene Diamanten – und seit diesem Samstag bin ich der tiefen Überzeugung, dass die schöner, verblüffender, berührender sind als geschliffene.
Theater auf Augenhöhe mit seinem Publikum. Mit Themen, die jungen Menschen auf den Nägeln brennen. Und deshalb kommt das mit dieser hinreissenden Authentizität über die Rampe, die gestandene Theaterprofis regelmässig umhaut. Ungekünstelt, aber mit einem Kunstanspruch, der jede enge Verwertungspädagogik weit hinter sich lässt. Und deshalb ist das junge theater basel auch für erwachsene Zuschauer immer wieder eine Quelle der inhaltlichen und ästhetischen Inspiration.[/quote]

[quote=Basler Zeitung, 24.11.08][b]Rundum gelungen [/b] – Düstere Themen, verspielt, frech, hervorragend inszeniert. Das Ensemble entwickelt eine eindrückliche Dynamik als Gruppe, ohne dass die einzelnen Performer verschluckt würden. Aus der Reihe tanzen ist Programm: die Diva markieren, ausgelacht werden, auf die Nase fallen. Sich hochrappeln und dem Leben die Nase zeigen.[/quote]

[quote=Badische Zeitung, 24.11.08][b]Die Verblüffung über das eigene Tun[/b] – Niemand erreicht geradlinig sein Ziel und der Schwanensee liegt anderswo. Hier wird nicht Spitze getanzt. Die sichere Trennung zwischen Gut und Böse gibt es nur im Märchen. Zum Glück.[/quote]

[quote=Dresdner Neuerste Nachrichten, 15. 05.09][b]Ausduckswut[/b] – Sprache wird bruchstückenhaft und meistens als Mittel der Nichtverständigung benutzt, dafür erzählen sie mit beredter Körpersprache von der Lust und der Not, sich in einer Welt zu etablieren, die ihnen ganz widersprüchliche Botschaften gibt. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft und die Angst vor Vereinnahmung durch diese stehen sperrig gegeneinander. Die verzweifelte Suche nach einer eigenen Individualität gipfelt in einer immer hektischer werdenden abstrusen Umkostümierung. Ein wunderbarer Abend.[/quote]